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Drei Tücken in der PR für Consumer Tech


Anika Nowag
Published on Februar 04, 2018
By Anika Nowag

In der Bitkom-Studie „Die Zukunft der Consumer Technology“ aus dem Jahr 2017, nennt Martin Börner, Bitkom-Präsidiumsmitglied, drei Adjektive, mit denen sich der Markt für Consumer Technology am besten charakterisieren lässt: vernetzt, dynamisch und disruptiv. Vernetzt, weil es die Online-Geräte seien, die dominieren. Dynamisch, weil kaum eine Branche so schnell die technologischen Trends aufnehme und in Produkte umsetze. Disruptiv, weil erfolgreiche Gerätetypen innerhalb kürzester Zeit aus dem Massenmarkt in die Nische gedrängt worden seien, wie etwa Camcorder, Navigationsgeräte oder MP3-Player.

Consumer Tech

Wir können jedenfalls davon ausgehen, dass der Dynamik der Consumer Technology so schnell nicht der Schwung ausgeht. Umso wichtiger ist es für PR-Agenturen, in diesem Bereich gut aufgestellt zu sein. Ein Besinnen auf die Basics und vor allem Tücken im Consumer Tech ist nicht zu vermeiden. Aber wir Consumer-Tech-PRler können dankbar sein: Wir müssen kein B2B-Kauderwelsch pitchen, aus dem sich schwierig Content erstellen lässt. Wir sind die Macher der PR, die Bobs unter den Baumeistern, die Könige der Geräte.

 

Testmuster verfügbar?

Was mich gleich zur ersten Tücke führt: Geräte, Devices, Aparatos. Sie sind der Schlüssel zum Erfolg guter Consumer-Tech-PR. Sie sind alles, was Ihr braucht für Coverage. Sie sind das A und O eures Testprogramms. Aber sie sind leider häufig nicht rechtzeitig da. Es kommt selten vor, dass Testmuster pünktlich zum Launch verschickt werden können. Ein paar Tipps, damit das nicht zum Ärgernis für Journalisten wird: Habt einen Plan. Nehmt Anfragen auf, sammelt sie säuberlich in einer Testliste und informiert die Journalisten darüber, wann sie mit einem Testmuster rechnen können. Sollte sich auch dieser Termin wieder nach hinten verschieben, kommuniziert transparent. Meldet Euch bei Euren Kontakten, erklärt die Umstände, nennt einen neuen Termin. So erhöht ihr die Planbarkeit für den Journalisten, der auf seinen Redaktionsschluss achten muss und vermeidet eine Belastung bei Euren Media Relations.

Dauerleihstellung – Was ist das?

Habt ihr es endlich geschafft, die Geräte unter das Journalisten-, Influencer- und Blogger-Volk zu bringen, wird Euch vermutlich über kurz oder lang das Wort „Dauerleihstellung“ begegnen. Tücke Nummer zwei. Dem Duden ist dieses Wort völlig fremd, uns Consumer-Tech-PRlern aber allzu vertraut. Gemeint ist, dass einem Tester das Gerät im Anschluss überlassen wird. Sei es aus hygienischen Gründen, etwa bei In-Ear-Kopfhörern oder weil es zu kostspielig ist, alle Geräte wieder zurücksenden und lagern zu lassen. Gegenleistung wird keine verlangt. Zwischen den Zeilen steht zwar meist die Erwartung eines positiven Testberichts, aber letztlich hat man darauf weder als Unternehmen noch als PR-Agentur Einfluss. Klärt mit Eurem Kunden, wie Ihr das Testprogramm handhaben sollt. Dürfen die Tester die Geräte behalten? Müssen diese nach einem bestimmten Testzeitraum zurück? So oder so, transparente Kommunikation ist auch hier wieder entscheidend. Klärt mit einem Tester vorab, ob er mit den Konditionen der Rücksendung einverstanden ist. Erst dann erhält er ein Gerät. Viele Blogger und Influencer verlieren an dieser Stelle leider oft das Interesse. Mitunter auch verständlich, wenn der Blog die einzige Einnahmequelle ist. Für Journalisten ergibt es Sinn, gemeinsam zu überlegen, ob an der ein oder anderen Stelle eine Dauerleihstellung sinnvoll ist. Beispielsweise bei Geräten, für die ständig neue Add-ons oder Skills entwickelt werden, die den Funktionsumfang erweitern. Möchte eine Redaktion dauerhaft über das Gerät berichten, kann eine Dauerleihstellung sich lohnen und für das Unternehmen eine regelmäßige Berichterstattung einbringen. Gibt es grundsätzlich keine Dauerleihstellungen, achtet darauf, dass der Testzeitraum mit drei bis vier Wochen ausreichend lang ist, um einen gründlichen Test ohne Zeitdruck zu ermöglichen.

Was tun bei einem schlechten Testbericht?

Tücke Nummer drei ist die wohl Unangenehmste. Ihr habt es geschafft, zeitnah ein Testgerät zu verschicken und dem Journalisten einen ausreichenden Testzeitraum einzuräumen. Und dann das: ein negativer Testbericht. Ab hier sind alle weiteren Schritte eine Grandwanderung. Kommuniziert Eurem Kunden die schlechten Ergebnisse und schlagt gleich das weitere Vorgehen vor. Eine telefonische Kontaktaufnahme ist in diesem Fall besser, als eine schriftliche, da es nun ganz stark auf die Nuancen der Kommunikation ankommt. Fragt den Journalisten, wie die Kritik zustande gekommen ist, falls es aus dem Testbericht nicht ganz deutlich wird. Klärt, ob es vielleicht an dem Testmuster liegt oder einer falschen Softwareversion. Haltet dazu vorher Rücksprache mit dem Product Lifecycle Manager, um über alle Einzelheiten informiert zu sein. Eventuell hatte der Tester auch eine falsche Zielgruppe im Kopf? Ein Einsteiger-Smartphone für den Low-Budget-Bereich würde bei einem Vergleich mit High-End-Geräten natürlich schlecht abschneiden. Lässt sich kein offensichtlicher Fehler finden und der Journalist bleibt bei seinem Standpunkt, belasst es dabei. Ihr solltet auch nicht versuchen, mit Sanktionen Einfluss auf künftige Berichterstattungen auszuüben. Solche Maßnahmen wirken sich meist extrem negativ auf die Media Relations aus und ziehen größere Kreise, als man sich wünscht. Spielt das Feedback des Journalisten an Euren Kunden weiter, damit dieser eine Möglichkeit hat, sein Produkt zu verbessern.

Wer diese Stolpersteine im Kopf hat, kann sie umgehen und steht mit seiner PR-Arbeit auf solidem Boden. Weitere Tücken und Unwägbarkeiten sind damit natürlich nicht automatisch ausradiert – auch ich werde bei jedem Produkt-Launch mit neuen, ungeahnten Problemen konfrontiert. Aber mal ehrlich: Wäre es sonst nicht auch ein bisschen langweilig? 

  

Anika Nowag arbeitet seit 2015 bei Lewis in der Unit:  PR für Consumer Tech
Als Teil des Consumer Technology Teams betreut Sie große und kleine Unternehmen aus der Consumer Electronics Branche und dem Business Bereich. Neben Media und Influencer Relations und Eventmanagement gehören umfassende Review Programme zu ihrem Repertoire. Kontaktdaten: anika.nowag@teamlewis.com


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