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By Stefan Epler

Veröffentlicht am

October 2, 2014

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Apple

Das war ja so klar. Ich meine, an sich jetzt noch irgendwas über das Thema „bendgate“ zu schreiben ist ja schon viel zu spät. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich hier dennoch kurz ein paar Gedanken aus der Perspektive eines professionellen Kommunikatoren schreiben, da der Fall Apple sich so exzellent eignet um aufzuzeigen, wo die aktuellen Probleme des Online-Journalismus liegen.


Wir konnten jetzt vor dem Launch des iPhone 6 nicht zum ersten Mal beobachten, wie sich Tech-Portale, aber auch Leitmedien möglichst rechtzeitig in Stellung bringen, um die aktuellsten „iPhone-Gerüchte“ in einem Artikel zusammenzufassen. Ich will jetzt gar nicht kritisieren, dass hier Gerüchte als Grundlage für einen Artikel scheinbar ausreichen – in einer Welt, in der „Internet“ als Quellenangabe im Fernsehen scheinbar immer noch ausreicht, ist das irgendwie kein Wunder. Viel wichtiger ist doch die Frage, warum all diese Artikel immer wieder kommen und sich virenartig in der Medienlandschaft verbreiten. Um das zu verstehen, muss man nur einmal in die Kommentare zu einem beliebigen Apple-Artikel schauen. Die Dramaturgie ist immer gleich:

  • „Wieviel hat Apple Euch für diese Gratiswerbung bezahlt?“
  • „Ich höre bald auf XY zu lesen wenn Ihr weiter Werbung für Apple macht!“
  • „Also ich habe seit 7 Jahren ein iPhone und bin voll zufrieden, das Ding läuft einfach und macht Spaß!“
  • „Aber mein (hier beliebiges Androidgerät einsetzen) ist viel besser Du iSheep!“

(Ich bitte um Entschuldigung für die exemplarische Vereinfachung) Der Punkt ist: Das Thema Apple ist kontrovers. Und eine Kontroverse ist im Zeitalter des Social Journalism praktisch der Garant dafür, die relevanten Kennzahlen zu einem Artikel in die Höhe zu treiben. Außerdem ist das auch gut für Auflage und Klicks – denn seien wir mal ehrlich: Wie oft klicken wir einen Artikel nur deshalb an, um uns schön über seinen Inhalt aufregen zu können? Ich wundere mich jedenfalls immer, wie viele Apple-Hasser am Ende dann doch unter einen Artikel kommentieren und damit mindestens einen Klick erzeugen – der dann den Verlag darin bestärkt, noch mehr über Apple zu schreiben. (Bei mir kommt das durchaus einmal vor) #bendgate ist da nur der nächste logische Schritt in der medialen Auswertung des Apple-Hypes. Wenn man das nach den Regeln der klassischen Dramaturgie betrachtet, stellt bendgate sogar das Ziel der Viereinigkeit „Held, Konflikt, Wendepunkt, Ziel“ dar – zumindest für den Teil der Rezipienten, die Apple lieber scheitern sehen wollen. Für die Medien hat sich gezeigt: Hier lässt sich auch jenseits der neuen Produktankündigung ein Forum schaffen, in dem die ewig Kontroversen beständig diskutieren können.

 

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