von

LEWIS

Veröffentlicht am

October 18, 2018

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Der Einfluss von Bloggern nimmt zu. Nicht nur in der PR-Welt. Bereits 31 Prozent der Kaufentscheidungen von Konsumenten werden von Bloggern beeinflusst, so der Digital Influence Report von Technorati Media. Parallel steigt natürlich auch der Stellenwert von Bloggern als Key Influencer von Marken und Unternehmen. So sind auch immer mehr Blogger dazu bereit, Kooperationen mit Unternehmen einzugehen. Das können Produktvorstellungen, Verlosungen aber auch Produkttests auf dem Blog sein.


Auch wenn sie oft in einem Atemzug mit Journalisten genannt werden: Ja, viele Journalisten bloggen auch. Tatsächlich sind es 86 Prozent der journalistischen Influencer, die zumindest in den USA bereits bloggen. Aber die meisten Blogger sind eben keine Journalisten. Für viele traditioneller ausgerichtete PR-Agenturen ist die Welt der Blogs noch unerschlossen – und das merkt man. Mir sind beide Seiten des Schreibtischs vertraut und ich habe für meinen Lifestyle-Blog schon allerhand absurder Anfragen erhalten. Deshalb habe ich einen kleinen  Knigge zusammengestellt, der beim Kontaktieren von Bloggern hilfreich sein könnte:  „Hallo liebe/r Blogger/in“ … ist nett. So nett, dass es direkt in den Papierkorb wandert. Je besser der Blog besucht ist, desto mehr Anfragen erhalten die Blogger auch. Entsprechend wichtig ist es, bereits in der Kooperationsanfrage deutlich zu machen, dass man sich mit dem Blog beschäftigt hat. Das fängt bei einer persönlichen Anrede schon an. Auch wenn Sie sich bezüglich der Anrede im Nickname-Dschungel unsicher sind – in Deutschland herrscht Impressumspflicht auch für Blogs, Sie finden den echten Namen des Bloggers daher immer im Impressum. Was das „Du“ und das „Sie“ angeht, können Sie sich daran orientieren, wie der Blogger seine Leser adressiert. „Hallo liebe/r Blogger/in, unser Kunde XYZ launcht bald eine neue Lösung, die dabei hilft, Highspeed-Skateboards zu tunen. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie in Ihrem Blog auf unser Produkt hinweisen würden.“ Wenn ich mich über unpersönliche Anreden beklage, könnte man mich schon kleinkariert schimpfen, denn viele Agenturen machen sich nicht einmal die Mühe, Blogs bei einem Massenaussand thematisch zu sortieren. Stellen Sie sich vor, Sie führen einen Blog, bei dem es um vegane Küche geht. Dann erhalten Sie diese Anfrage – Skateboard-Tuning? Sie würden sich an den Kopf fassen? Man könnte es Ihnen nicht verdenken. So geht es vielen Bloggern täglich. Befassen Sie sich vor Ihrer Anfrage wenigstens ein paar Minuten mit den Inhalten des Blogs, so sparen Sie sich selbst und dem Blogger viel Zeit. „Wir würden uns freuen, wenn du unser Produkt in einem Sponsored Post vorstellen würdest und dabei nicht erwähnst, dass es gesponsert wurde.“ Hierzulande ist es Pflicht, gesponserte Inhalte entsprechend zu kennzeichnen. Darüber hinaus gehört es im der Blogosphäre zum guten Ton gegenüber den Bloglesern, Werbeinhalte zu markieren, um entsprechende Transparenz zu gewährleisten. Aller Subjektivität zum Trotz besteht in der Berichterstattung immer noch ein Unterschied, ob man ein Produkt selbst erwirbt oder es gratis zum Testen erhält. Es ist Gang und Gäbe, werbliche Inhalte bei Blogeinträgen zu kennzeichnen. Rechnen Sie also damit, dass Ihre Anfrage abgelehnt wird, wenn Sie eine Nicht-Kennzeichnung der werblichen Inhalte fordern. „Über eine Veröffentlichung unserer Pressemitteilung würden wir uns sehr freuen.“ Blogger sind keine Journalisten. Das hatten wir ja schon. Und ich habe persönlich noch keinen Blogger erlebt, der eine Pressemitteilung 1 zu 1 veröffentlicht hat. Als Informationsmaterial sind Pressemeldungen sicherlich hilfreich, um mehr über das Produkt zu erfahren. Aber eine „Bitte um Veröffentlichung“ wird Sie in der Blogosphäre nicht weit bringen. Des weiteren können Sie davon ausgehen, dass Blogger kaum auf ein Produkt hinweisen werden, dass sie nicht zumindest schon in der Hand halten konnten. Gehen Sie immer davon aus, dass Blogger immer auch einen Mehrwert für ihre Leser bieten möchten. Blogger sind als Influencer unter anderem so erfolgreich, weil sie subjektiv sind und man so mit ehrlicher und ungebundener Berichterstattung rechnen kann. Fertige Texte werden höchstens auf speziell darauf ausgelegten Testblogs veröffentlicht. Diese wiederum werden von der Zielgruppe aber nicht gelesen. „Wir haben Ihnen [sic: ungefragt] ein Produkt zugeschickt. Bitte berichten Sie darüber.“ Es gehört zum Grundrespekt im Umgang mit Bloggern, vorher anzufragen, bevor Sie ein Produkt zusenden. Stichwort Impressumspflicht – die Adresse findet man dort natürlich auch. So kommen viele PR-Leute auf die Idee, direkt ein PR-Paket an die angegebene Adresse zu schicken. Und überhaupt: Bei vielen Blogs findet sich in der Menüleiste eine Übersicht zu Konditionen für eine Zusammenarbeit, oft zu finden unter „Media / PR / Werbung“. Einige Blogger schreiben beispielsweise von vorneherein, dass es ihnen wichtig ist, kontaktiert zu werden, bevor ein Produkt geschickt wird. Es gilt darüber hinaus ohnehin als Faustregel, Blogger immer erst einmal via E-mail zu kontaktieren, bevor man zum Telefonhörer greift oder ein PR-Paket zur Post bringt. Nun, das waren jetzt viele No-Gos, aber was ist denn dann erlaubt? Es ist eigentlich ganz einfach: Behalten Sie im Hinterkopf, dass der Großteil der Blogger den Blog privat betreibt und immer auch einen Mehrwert für seine Leser bieten möchte. Personalisieren Sie also Ihre Anfragen, beschäftigen Sie sich vorher zumindest mit den Kategorien des Blogs und seien Sie bereit, Kompromisse einzugehen. Ein Blogger berichtet gerne über ein Produkt, wenn er es zum Testen oder zum Verlosen an die Leserschaft erhält? Dann nichts wie los, das ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Es wird zunehmend wichtiger, gute Beziehungen zu Bloggern aufzubauen und zu halten – auch in Hinblick auf zukünftige Kooperationen und vielleicht sogar eine langfristige Zusammenarbeit. Sie sollten bei Ihren Anfragen nie vergessen, dass die auch die Netzgemeinde nur ein Dorf ist und Blogger sich untereinander austauschen. Schnell wird festgestellt und kommuniziert, dass man nicht der einzige war, der eine absurde oder dreiste Anfrage einer Agentur oder eines Unternehmens erhalten hat. Verärgern Sie einen Blogger, hat das oft einen Dominoeffekt. Stichwort „Shitstorm“. Und den wollen wir ja nicht riskieren, oder?

 

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