von

Sebastian Vonderau

Veröffentlicht am

February 25, 2010

Tags

Digitale Anonymität, Digitalisierung


Ein Plädoyer für die non-digitale Lebenswirklichkeit: Nein, ich gehörte noch nie zu den Menschen, die morgens beim Bäcker via foursquare einchecken und stolzer „Bürgermeister“ von „Emmas Backstübchen“ sind. Mir liegt es bisher auch fern, auf Twitter ein Bild meines erworbenen Käsebrötchens zu posten, um es nur wenig später bei Qype mit 4 von 5 Sternen zu bewerten. Einen Stern Abzug nicht wegen des trockenen Käses sondern weil es Emma im Jahr 2013 immer noch nicht für nötig hält, ihr Backstübchen mit einem W-LAN Hotspot auszustatten. Viel mehr freue ich mich darüber, dass Emma hinten in der Backstube den Teig noch selbst per Hand knetet. Aber ich werde mich hüten, das meinen Twitter-Followern und noch mehr „Freunden“ auf Facebook mitzuteilen – ich möchte nämlich, dass auch in Zukunft hier alles beim Alten bleibt – auch ohne Hotspot;). Als PR-Berater setzt man sich jedoch gerne mit den Anforderungen einer veränderten und sich weiter verändernden, digitalen Medienlandschaft auseinander – dazu gehören auch Kanäle wie Twitter und Co. Blogs sind auch nach Jahren des Hypes immer noch eines der goldenen Schlagworte der PR-Branche – zurecht, dabei hat der ursprüngliche Gedanke des freien Bloggens ebenso wenig mit zielgerichteter und gesteuerter, öffentlicher Meinungsmache (PR) zu tun, wie Emmas Backstübchen mit Kamps. Sei’s drum – „der Blogger“ ist ein wichtiger Multiplikator in der Medienlandschaft geworden – auch und gerade für PR-Zwecke. Nun wendet sich (noch) nicht jeder Journalist mit eigenem Blog an seine Hobby-Angler-Gemeinde oder Technik-Fans. Es gibt sie noch, die klassischen Journalisten, die für eine Zeitung oder ein Magazin schreiben, das teilweise erst Wochen nach Fertigstellung eines Artikels gepresst, gedruckt, ausgeliefert, ins Ladenregal gestellt und im besten Fall gekauft und gelesen wird. Wie erreicht man diese heterogene Journalisten-Landschaft nun mit seinen Botschaften, wenn der eine voll Wehmut über die Schulter auf die alte Schreibmaschine schielt und der andere seine wichtigsten Online-Kanäle automatisch und in Echtzeit nach den Schlagworten „Politik, „Sport“ und „alles von Apple“ streamen und filtern lässt, während das Smartphone sich minütlich synchronisiert? Die Antwort ist einfach: der Mensch ist von Natur aus ein geselliges und soziales Wesen. Würde es nur darum gehen, Informationen aus dem Web zu filtern und in Copy&Paste-Manier widerzugeben, gäbe es längst nur noch Roboter-Journalisten. Es geht trotz der unzähligen digitalen Möglichkeiten nichts über den persönlichen Kontakt, das nette „Hi, wie geht’s“, weil man es so meint und nicht, weil die Auto-Fill-Funktion eine Floskel vorgibt. Man kann natürlich mit einem Mausklick und der Einleitung „Sehr geehrter Herr Müller, anbei…“ binnen einer Sekunde mehrere tausend Kontakte „erreichen“, doch wird man dadurch nicht selbst zum PR-Roboter? Ich greife lieber zum Telefon – natürlich ist das auch digital, aber es erlaubt eine persönliche Note – und sage „Hallo Klaus, hast Du die Gartenlaube am Wochenende endlich fertiggestellt? Ich weiß ja, dass Du Dich für XY interessierst – ich hab da was, das für Dich spannend sein könnte“. Sicher ist diese altmodische Variante der Kontaktaufnahme deutlich zeitintensiver, doch wird ein persönliches Gespräch oder besser noch der Klang beim Anstoßen mit dem Bierglas während eines Journalisten-/Blogger-Events gefolgt von einem zünftigen „Prost“ auch in vielen Jahren noch mehr wert sein als jedes „I like“!

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