von

Stephan Fabrizius

Veröffentlicht am

October 18, 2018

Tags

Digitalisierung

Egal ob Business-Anwendung oder privater IT-Gebrauch – Digitalisierung ist eines der beherrschenden Themen, wenn das Gespräch auf technologischen Wandel und die damit verknüpften Herausforderungen kommt. Für Unternehmen geht es im Kern darum, Geschäftsprozesse, Kommunikationskanäle und die zugehörigen Plattformen in einer möglichst umfassenden digitalen Strategie aufeinander abzustimmen und zu integrieren.


Und warum? Weil es von den Kunden erwartet wird? Weil sonst die Gefahr droht, dass das Unternehmen den Anschluss verpasst? Auffällig ist, wie leicht man versucht ist, ein Angstthema hinter der Debatte zu wittern. Inwiefern Angst im Einzelfall wirklich eine Rolle spielt, darf bezweifelt werden. Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage des Softwareherstellers e-Spirit.

Von fast 200 befragten Unternehmen wird Digitalisierung vielfach als echte Chance wahrgenommen – beispielsweise um die Customer Experience zu verbessern (63 Prozent), als Organisation agiler und reaktionsschneller zu werden (53 Prozent) oder insgesamt effizienter zu werden und die Betriebskosten zu senken (47 Prozent).

Digitalisierung in der Entwicklung

Doch ungeachtet der Einschätzung, ob digitale Transformation eher als Chance oder als Angstthema besetzt ist, darf eins als sicher gelten: Die Entwicklung ist offenbar in vollem Gange – irreversibel und beständig fortschreitend.

Soweit die Unternehmensseite. Doch wie ist es im privaten Bereich um das Thema Digitalisierung bestellt? Ähnlich und doch ganz anders. Wahrscheinlich kennt jeder aus seinem privaten Freundeskreis den Protypen des technikbegeisterten Bescheidwissers. Auf Partys erzählt er stolz, wie er seine Lieblingsmusik aus dem Netz streamt und dass alle Räume seiner Wohnung mit erlesenem Surround-Sound beschallt werden. Hat er gerade „Streaming“ gesagt? Sofort entbrennt eine lange und hitzige Diskussion mit dem anwesenden Vinyl-Sammler, der sehr deutlich macht, was er von digitalen Audio-Formaten hält.

Communities jenseits von Trends und Mode

Überzeugte Bekenntnisse zum Analogen sind gar nicht so selten, wenn man nur genau hinhört: Vom audiophilen Plattensammler, über den Hobby-Fotografen, der wieder oder noch immer auf klassische Belichtungsverfahren schwört, bis hin zum Antiquariate durchstöbernden Bücherwurm ohne eReader. Und das tolle daran ist: Wer mitmacht, tut damit niemandem weh.

Natürlich gibt es den notorischen Hipster, der trendbewusst bei allem dabei ist, was irgendwie camp und cool ist. Doch in aller Regel handelt es sich bei den meisten Analog-Aficionados um Menschen, die eine lange gehegte Leidenschaft für eine bestimmte Technologie vereinnahmt hat. Oft als Geeks oder Nerds belächelt tritt dieser Menschenschlag mit beträchtlicher Expertise meinungsstark auf, wenn es um das geliebte Steckenpferd geht – eine nie versiegende Quelle für leidenschaftliche Kommunikation.

Wer kann, fährt mehrgleisig

Und was nicht vergessen werden darf: Die Entscheidung für das eine lässt sich durchaus mit dem anderen kombinieren, ohne dass irgendjemand Angst als Antrieb dahinter vermuten würde. Anders gesagt: Wer nur Schallplatten hört, kann trotzdem ein Tablet besitzen und sich rege in Online-Foren mit Gleichgesinnten über das Angebot von Herstellern und Händlern austauschen. Und wem auch das irgendwann zu viel wird, dem empfiehlt die Berliner Morgenpost „digitales detoxing“.

„Mit Gitarre und Gruppenkuscheln bekommt das virtuelle Social-Media-Lagerfeuer analoge Romantik verpasst und das ohnehin genialste Rechenzentrum der Welt seine längst fällige Würdigung: das menschliche Gehirn.“

Apropos analoge Romantik: In meinem Viertel hat vor zwei Monaten ein Schallplattenladen eröffnet. Wer dort reingeht, bekommt in entspannter Atmosphäre einen Tee und einen Sitzplatz angeboten. Außerdem besteht die Möglichkeit, Schallplatten vor dem Kauf nach Belieben anzuhören und mit dem Verkäufer sowie den anderen anwesenden Kunden zu schwadronieren. Selbstverständlich ist es gar kein Problem, wenn man mal nichts kauft, denn der Händler schätzt den guten Kontakt zu seinen Kunden – und zwar auf allen Kanälen: Einen guten Teil seiner Umsätze erzielt er über eine Online-Plattform.

 

Go back to blog list

Do get in touch