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Pressemitteilung

Veröffentlicht am

November 13, 2012

Tags

Facebook, Facebook Gruppe, viral


Shitstorm oder Lovestorm?

Darf ein Fußball-Emblem ein katholisches Grab schmücken? Diese Frage bewegte diese Woche die Republik. Bevor er im Mai an einem Hirntumor starb, wünschte sich der neunjährige Jens Pascal (Dortmund) einen Grabstein mit dem Logo seines Lieblingsvereins Borussia Dortmund. Seine Eltern ließen ein Grabmal anfertigen, doch der zuständige Kirchenvorstand lehnte den Entwurf ab, da er seiner Meinung nach einem katholischen Friedhof nicht angemessen und kein christlicher Bezug erkennbar gewesen sei. Eigendynamik oder wenn der Stein erst einmal ins Rollen kommt:  Zwar signalisierte die betreffende Kirchengemeinde früh Gesprächsbereitschaft, dem Sturm der Entrüstung im Netz tat dies jedoch keinen Abbruch. So wuchs die Facebook Gruppe „Jens Pascal” innerhalb von nur zwei Tagen auf über 140.000 Mitglieder. Das entspricht ungefähr 40 bis 60 neuen Mitgliedern pro Minute – ein fast schon rekordverdächtiger Wert. Offensichtlich machten hier viele Mitglieder von der Facebook-Funktion „Personen zur Gruppe hinzufügen” Gebrauch. Rasend schnell erfasste eine Welle der Anteilnahme und Unterstützung alle erdenklichen Blogs, Communities und Foren. Unterschriften wurden gesammelt, Petitionen online gestellt und sogar Demonstrationen geplant. Hinzu kamen Posts auf allen möglichen Facebook-Seiten: private wie öffentliche, Fußballvereine, Fanclubs und Spieler genauso wie Prominente und Medien. Letztere wurden natürlich auch direkt angesprochen. Damit war der Fall in Rekordzeit auch „im richtigen Leben“ angekommen. So berichteten unter anderem SAT1, Der Westen, Die Welt, Spiegel Online und last but not least Bild Online (Startseite) über den Konflikt. Unnötig zu erwähnen, dass mit jedem Medienbericht die Zahl der Unterstützer weiter stieg. Inzwischen hat die Kirche eingelenkt und man konnte sich auf einen Kompromiss bei der Grabsteingestaltung einigen. Vor allem bemerkenswert: Der Aufschrei unter den Facebook-Nutzern ging weit über das schwarz-gelbe Fan-Lager von Borussia Dortmund hinaus. Anhänger aller deutschen Vereine nahmen Anteil am Schicksal des Jungen und zeigten sich solidarisch. Der Slogan „In den Farben getrennt – in der Sache vereint!“ machte die Runde. Fakt ist: Bei diesem Phänomen kam einiges zusammen. Die Geschichte war emotional aufgeladen und folgte einem altbekannten Erzählmuster – dem Kampf des Einzelnen gegen die Institution, in diesem Fall gegen die katholische Kirche. Der Solidarisierungs-Effekt wurde durch die inhaltliche Verbundenheit mit Borussia Dortmund entsprechend beschleunigt. Auch hat die Kirche die Dynamik der sozialen Medien schlichtweg unterschätzt. Das Resultat: eine Art moderne „David-gegen-Goliath-Geschichte“, angetrieben von der ohnehin guten Vernetzung der Fußball-Fans im Internet. Der katholischen Kirche jedenfalls schlug ein rauer Wind ins Gesicht und der Konflikt dürfte sie auch Mitglieder gekostet haben. Sprechen wir hier nun von einem Shitstorm im klassischen Sinne? Laut Definition ist das „ein Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht” (Duden). Natürlich waren nicht alle Aktionen, Posts und Kommentare sachlich und inhaltlich korrekt. Vielleicht sollte man in dieser Bewegung aber auch eher eine Welle der Anteilnahme für einen kleinen Jungen sehen und sich bei der Bewertung ein wenig von den eigenen Emotionen leiten lassen. Und vielleicht ist daher auch ein Begriff treffender, der in diesem Zusammenhang aktuell im Netz die Runde macht: Lovestorm!

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