von

LEWIS

Veröffentlicht am

October 18, 2018

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Im Bereich Kommunikation lässt die Fotobranche viel Potenzial ungenutzt Dass die Fotobranche schon bessere Tage gesehen hat, ist längst kein Geheimnis mehr. Erst kürzlich meldete der Branchenverband CIPA (Camera & Imaging Products Association) dass im vergangenen Jahr in Europa 40 Prozent weniger Kameras verkauft wurden. So setzten die japanischen Unternehmen – und damit die wichtigsten Player – etwa fünf Millionen Kameras mit Wechseloptik ab, 2012 waren es noch sieben Millionen. Die goldenen Jahre, in denen der Schritt vom Film zum Digitalsensor die Kassen klingeln ließ, sind also vorbei. Dabei spielte noch ein weiterer Faktor eine wichtige Rolle: Als Mitte der 90er Jahre die Digitaltechnik bezahlbar wurde, wechselten eingefleischte Freunde der Spiegelreflexkamera zunächst zur digitalen Kompakten. Als später auch DSLRs bezahlbar wurden, startete ein weiterer Wechselprozess. Dieser verschaffte dem Branchenaufschwung zusätzliche Dynamik und den Unternehmen satte Gewinne.


Ein breites Portfolio ohne Käufer Doch nun werden die Karten neu gemischt und kleinere Anbieter kämpfen wohl schon bald um ihre Eigenständigkeit oder sogar das Überleben:  Das setzt bei den Herstellern eine Menge Kreativität frei. Im Sinkflug will die Branche mit immer neuen Geräten die Kauflust der Käufer neu entfachen. Wer heute den Fachhandel aufsucht oder sich im Internet informieren will, ist mit einer Auswahl konfrontiert, die wohl niemals größer war. Abgesehen von den kaum noch nachgefragten Kompaktkameras gibt es spiegellose Geräte mit und ohne Wechselobjektiv, Vertreter des Micro-Four-Third-Formats und solche, die versuchen eigene Standards zu etablieren. Die Spiegelreflexklasse wiederum ist fest in der Hand der großen Player. Und dann wäre da noch der Trend zu kleinen aber feinen Kameras im Retro-Look, die dem Platzhirsch Leica den Rang streitig machen. Im Prinzip sollte also für jeden etwas dabei sein. Trotzdem aber beißt die Kundschaft einfach nicht mehr an. Die Schuldigen stehen für einige Branchenvertreter fest: Viele Smartphone-Besitzer sind mit dessen Kamera vollends zufrieden und nutzen kaum ein anderes Gerät. Selbst die mit WLAN-Features ausgestatteten Kompaktkameras haben gegen die Vorteile von Android- und iOS-Telefonen kaum eine Chance. Doch das allein kann nicht erklären, warum das Upselling zu fortgeschrittenen Geräten einfach nicht in Fahrt kommt. Features statt Emotionen Meine Einschätzung: Neue Kameras werden vor allem für Technik-Fans konzipiert, die sich freuen, wenn die Messcharts ein zwei Prozent geringeres Rauschen im Vergleich zum Vorjahresmodell ausweisen. Wer heute auf der Suche nach einer neuen Kamera ist oder den Schritt vom Knippser zum Fotografen machen möchte, bekommt von den Herstellern eine nicht gerade ermutigende Nachricht: Es kommt vor allem auf die Technik an. Besonders den Spiegelreflexkameras heftet dieses Image noch immer stark an.  Darüber können technische Features wie Motivprogramme für Einsteiger nicht hinwegtäuschen. Folgen für die Kommunikation Wie man Emotion und Leidenschaft mit dem eigenen Produkt verbindet, hat der Branche der Newcomer GoPro gezeigt. Statt über Megapixel, Bilder pro Sekunde oder das Rauschverhalten zu kommunizieren, hat das Unternehmen erfolgreich eine Fangemeinde in sämtlichen Actionsportarten aufgebaut. Dieser Klasse von Geräten hatten die technikfixierten, etablierten Hersteller nichts entgegenzusetzen. Das liegt auch daran, dass die Kommunikation der zumeist japanischen Hersteller noch immer sehr stark auf die klassischen Kanäle ausgerichtet ist und sich von ihrer Kernzielgruppe „technikaffine Männer“ niemals wirklich lösen wollte. Dabei haben sich nicht nur die Medien verändert, sondern auch der Konsument. So ersetzt der Austausch mit Freunden bei Kaufentscheidungen längst die klassischen Testberichte. Diese bieten dem Käufer ohnehin nur noch wenig Orientierung. Schließlich gibt es keine schlechten Kameras mehr – ganz so, wie es de facto keine schlechten Autos gibt. Aus gutem Grund wird des Deutschen liebstes Spielzeug über die damit verbundenen Emotionen verkauft. Es ist ein Rätsel, warum gerade in der Branche der Bilder, nicht auch ein Wechsel von der Feature-Kommunikation zur Erlebnis-Kommunikation erfolgt. Bilderwettbewerbe auf Facebook und bildgewaltige Werbefilme werden dafür auf Dauer nicht ausreichen. Nur wenn sich die Freude am Fotografieren als roter Faden durch die Außendarstellung zieht, lassen sich neue Zielgruppen begeistern. Kommunikation sollte dabei eine wichtigeRolle spielen. Jedes Bild erzählt schließlich eine Geschichte. Storytelling ist eine von vielen effizienten Methoden, sie an ein interessiertes Publikum weiterzutragen.

 

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