von

LEWIS

Veröffentlicht am

October 18, 2018

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Griechenlands Liquidität steht noch immer auf der Kippe. Seit Monaten schon lodert der Streit in der EU über Finanzhilfen und Sparpläne. Gleichzeitig werden die Konsequenzen für dortige Bürger immer mehr spürbar. Neben vielen anderen Einschnitten sind nun Dienste wie Dropbox, Paypal oder Apple dazu übergegangen, griechische Kunden auszusperren. Die Folge: Online-Accounts und Kreditkarten werden unbrauchbar, selbst Kleinstbeträge können nicht überwiesen werden. Nun gerät eine Kryptowährung, die bislang nur ein Schattendasein führte, ins Rampenlicht: Bitcoins. Doch taugt die Währung als Rettungsanker in wirtschaftlich instabilen Zeiten?


Geburt einer digitalen Parallelwährung

Die ersten 50 Bitcoins erblickten am 3. Januar 2009 das Licht der Welt: Unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ veröffentlichte eine anonyme Person oder Gruppe die Bitcoin Idee zunächst in einem Whitepaper und brachte diese kurz darauf als quelloffene Bitcoin-Software auf den Markt. Die digitalen Münzen werden von Computern errechnet, die komplette Geldmenge ist von vornherein auf einen Maximalwert von 21 Millionen Bitcoins begrenzt – derzeit sind rund elf Millionen im Umlauf. Grundsätzlich kann jeder Bitcoins erwerben, vorausgesetzt er hat Internet. Verwaltet wird das Bitcoin Netzwerk über eine dezentralen Datenbank, die mit einer eigens entwickelten „Bitcoin Core“-Software arbeitet.

Durch private Schlüssel wird der Besitz von Bitcoins nachgewiesen. Sie sind nur dem jeweiligen Eigentümer zugänglich. Bei einem etwaigen Verlust der Schlüssel oder des betreffenden Speichermediums sind die Bitcoins unwiederbringlich verloren. Dieser Aspekt hat schon so manchen Bitcoin-Adel zu Fall gebracht: So geschehen bei einem Briten 2013. Er hatte versehentlich Bitcoins im Wert von 7,5 Millionen Euro in den Müll geworfen – in Form einer veralteten Festplatte, auf der die Schlüssel gespeichert waren.

Totgesagte leben länger

Bitcoins weckten rasch Interesse und wurde immer mehr als Zahlungsmittel und Handelsgut genutzt: Grundsätzlich können sie entweder bei Online-Börsen oder Einzelpersonen gegen andere Währungen eingetauscht werden. Dabei fallen in der Regel Gebühren an, die von Anbieter zu Anbieter variieren. Über die Online-Börsen, können Bitcoins gegen andere Währungen ge- und verkauft werden. Ein Beispiel derartiger virtueller Bitcoin-Börsen ist etwa Mt. Gox. Doch nach anfänglichem Höhenflug kam der digitale Börsen-Crash: Das Unternehmen musste nach dem Verlust mehrere Tausend Bitcoins Anfang 2014 Insolvenz anmelden. Schätzungsweise 450 Millionen US-Dollar gingen damals verloren. Der Vorfall erschütterte das Vertrauen in das digitale Datengold schwer.

Der Zauber um Bitcoins war gebrochen. Doch auch wenn viele das Ende der Digitalwährung vorhersagten, erlebte sie bald darauf einen neuen Höhenflug. Neben Privatpersonen akzeptierten auch immer mehr Händler Bitcoins. Für viele ist es einfach zu reizvoll, Millionenbeträge per USB-Stick transportieren oder über das Netz versenden zu können – ein Aspekt, weshalb die Zahlung mit Bitcoins auch im kriminellen Milieu auf Anklang stößt.

Seit der Verkündung des Referendums in Griechenland hat der Bitcoin-Kurs wieder angezogen Foto: Infografik Die Welt
Seit der Verkündung des Referendums in Griechenland hat der Bitcoin-Kurs wieder angezogen
Foto: Infografik Die Welt[/caption]

Online-Grexits – Bitcoin als Schlupfloch?

Griechen waren bislang kaum als Bitcoin-affin bekannt. Doch das hat sich durch die jüngste Finanzkrise radikal geändert. So berichten griechische Bitcoin-Händler dort von einer Verdreifachung des Handelsvolumens und gar einer Verzehnfachung der  Registrierungen. Als kürzlich erst wieder die Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und der Ex-Troika scheiterten, stieg der Wert von einem Bitcoin zeitweise von 215 auf 240 Euro.

Für Griechen ist es derzeit eine der letzten spärlichen Möglichkeiten, Geld außer Landes zu transferieren. Denn hier kann keine Zentralbank den Zahlungsverkehr regulieren. Wollte man die Transaktionen tatsächlich unterbinden, müsste man weltweit das Internet abschalten – ein Kunststück, das nachweislich nicht einmal Chuck Norris gelang.

Allerdings äußern sich Finanzexperten noch immer skeptisch gegenüber der Währung. Selbst der griechische Ex-Finanzminister Varoufakis fürchtet Bitcoins aufgrund ihrer deflatorischen Effekte. Und: Brötchen kaufen kann man sich damit noch immer nicht. In Griechenland sind gerade einmal 34 Händler gelistet, die Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren. Es gibt landesweit nur einen einzigen Bitcoin-Geldautomaten – kurioserweise ausgerechnet in einem Schreibwarengeschäft im Norden Athens. So bleibt die Zukunft der Währung und der Nutzen der digitalen Münzen für die Griechen ungewiss. Doch die Idee einer digitalen Parallelwährung wird kaum an Attraktivität verlieren.

 

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