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Pressemitteilung

Veröffentlicht am

October 25, 2018

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Seit Wochen jagt eine Abhör-Affäre die nächst schlimmere. Das Abhören persönlicher Daten von Millionen von Menschen in großem Stil ganz nach dem Motto: „Alles, was machbar ist, wird auch zum Einsatz gebracht”, scheint salonfähig zu sein. Punktuelle Zugriffe durch Geheimdienstautoritäten, die in der Regel mit dem Damoklesschwert in Form terroristischer Angriffe gerechtfertigt werden, sind längst bekannt und allgemein akzeptiert. Das nimmt nicht Wunder, geben wir doch – um dem Leviathan oder besser dem Naturzustand und dem Krieg aller gegen alle zu entgehen – aus Sicht der Vernunftlehre gern ein Stück weit Freiheit ab. Ein mehr an Sicherheit auf Kosten von weniger Freiheit. Das ist der Deal. Soweit so schön. Wäre da nicht der Umstand, dass dieser Deal wohlwissentlich und mit unserer Zustimmung zustande kommen sollte. Thomas Hobbes, der englische Staatstheoretiker und Moralphilosoph fasste das in seinem Werk „Leviathan“ aus dem Jahre 1651 so zusammen: Die individuelle Freiheit, alles zu tun und nur eigenen Gesetzen zu folgen, wird dem Streben nach leiblicher und rechtlicher Sicherheit geopfert. Triebfeder der Staatsbildung ist das „nackte Überleben“, das Entrinnen der im Naturzustand begründeten Gefahren. Hobbes postuliert, dass durch die Sicherung von Leib und Leben die Verfolgung anderer Bedürfnisse wie etwa Anerkennung, Güter, etc. überhaupt erst rational wird. Was aber, wenn wie jüngst unsere Freiheitsgrade beschnitten werden, ohne dass wir davon Kenntnis nehmen oder jemals unser Einverständnis hierfür gegeben hätten? Oder abstrakter gefragt: Wird der Gesellschaftsvertrag dadurch nicht ad absurdum geführt? Aus Kommunikationssicht ist den Abhör-Initiatoren ein schwerer und zentraler Fehler unterlaufen. Transparenz ist der Dreh- und Angelpunkt, wenn es darum geht, Vertrauen zu schaffen. Transparenz aber ebenso Integrität, Fairness, Wahrhaftigkeit, Loyalität und Professionalität sind etwa die Normen und Zielwerte, die die Deutsche Public Relations Gesellschaft als Richtlinien für Kommunikationsfachleute vorgibt. Daran lassen wir uns tagtäglich messen. Nur wer diesen Anspruch internalisiert, kann und darf darauf hoffen, dass seine Inhalte auch auf die gewünschte Resonanz stoßen – und sei es in Form eines gesamtgesellschaftlichen Diskurses. Über für und wider von massenhaften Abhöraktionen zum Schutze unseres Wertekanons lässt sich vortrefflich streiten – nicht aber in Abwesenheit der Kenntnis darüber…

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