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TEAM LEWIS LEWIS

von

Helen Ellis

Veröffentlicht am

Juni 20, 2022

Tags

Agentur, People, Storytelling

Impostor-Syndrom, auch Hochstaplersyndrom genannt, ist ein Gefühl, das viele vielleicht schon einmal erlebt haben. Eine TEAM LEWIS Kollegin berichtet ehrlich und authentisch in ihrem Blog-Beitrag davon, wie sie es zum ersten Mal bemerkt hat, und, wie sie damit umzugehen lernte.


Impostor-Syndrom: Warum hören Sie mir zu?

Ich habe das Impostor-Syndrom zum ersten Mal erlebt, als ich eine Kundenbetreuerin mit gerade einmal zwölf Monaten Berufserfahrung war. Mein Chef und ich nahmen an einem monatlichen Kundentermin mit unserem direkten Ansprechpartner und dem CEO des Unternehmens teil.

Der CEO stellte mir Fragen. Ich beantwortete sie. Er hörte sich meine Antworten an, nickte und akzeptierte, was ich sagte. Ich dachte: „Warum hörst du mir zu? Was ist, wenn das, was ich dir sage, falsch ist? Ich mache diesen Job erst seit einem Jahr. Ich kann nicht qualifiziert genug sein, um dir Empfehlungen zu geben.“ Hätte ich schlechte Ratschläge gegeben, wäre mein Chef natürlich eingeschritten. In Wirklichkeit wusste ich mehr, als ich mir selbst zutraute. Ich erklärte relevante Zusammenhänge und äußerte vernünftige Vorschläge. Aber trotzdem fühlte ich mich wie eine Betrügerin.

„Warum glauben die, ich wüsste, was wir tun sollten?“

Mit zunehmender Erfahrung kam ich in meiner Karriere voran. Die Häufigkeit, mit der von mir Antworten erwartet wurden, nahm zu. Gleichzeitig nahm die Anwesenheit älterer und erfahrener Kollegen neben mir bei den Kundengesprächen ab.

Außerdem wurde ich immer mehr in die Leitung und den Ausbau der Agentur eingebunden, für die ich damals arbeitete. Wir eröffneten Büros in anderen Ländern und wuchsen schnell – eine aufregende Zeit. Nach dem Dotcom-Crash kümmerten wir uns um ein schnell schrumpfendes Unternehmen und versuchten, es wieder aufzubauen – jetzt war die Stimmung beängstigend. Ich hatte gerade erst vor ein paar Jahren die Universität verlassen. Bei all den Entwicklungen war ich immer wieder überrascht, wenn man mir zuhörte, meinen Ideen oft zustimmte und sie umsetzte. Gleichzeitig dachte ich: „Warum glauben die, ich wüsste, was wir tun sollten?“ Manchmal sprach mein Chef mit mir über meinen zukünftigen Karriereweg und deutete an, dass ich möglicherweise irgendwann den Posten des Geschäftsführers übernehmen könnte. Ich fühlte mich als er meinte, ich hätte das Zeug zur Geschäftsführerin. Aber ich dachte zugleich, ich könnte diesen Job niemals so gut machen wie er.

Ich vertraute mich meinen Mitbewohnern an, die in ähnlicher Weise in ihrer eigenen Karriere aufgestiegen waren. Offensichtlich war ich mit meiner Erfahrung nicht allein. Auch sie ertappten sich manchmal dabei, wie sie Vorschläge machten und Beiträge lieferten und sich fragten, wie sie hierher, in diese Position, gekommen sind. Das brachte zwar meine innere Stimme des Hochstaplers nicht zum Schweigen, aber es war beruhigend zu wissen, dass ich nicht allein war.

Finde deine eigene Stimme

 Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, ich sei jemand, der von Selbstzweifeln geplagt wird. Die Stimme des Hochstaplers hat mich nicht davon abgehalten, weiterzukommen. Je mehr Erfahrung ich sammelte, desto weniger tauchte sie auf. Aber in ungewohnten Umgebungen oder Situationen war sie immer noch da. „Was, wenn alle merken, dass du nicht weißt, was du tust?“, flüsterte sie mir zu. In Situationen oder Meetings, in denen ich mich wirklich eingeschüchtert fühlte, trug ich oft weniger bei.

Ich erinnere mich: Nach meiner ersten Erfahrung eines All-Agency-Meetings (an dem alle Agenturpartner eines Kunden teilnahmen) sagte mir mein Chef, ich müsse mit einer eigenen Stimme auftreten. Ohne sie würde der Bereich PR in den Meetings nicht vertreten sein. Wir würden mit kreativen Entwürfen enden, die sich nicht so gut auf erfolgreiche Kampagnen übertragen ließen. Außerdem würden wir aus geschäftlicher Sicht einen geringeren Anteil vom verfügbaren Budget erhalten. Diese Rückmeldung habe ich nie vergessen. Unabhängig davon, wie einschüchternd oder ungewohnt eine Situation ist – ich weiß jetzt, es ist meine Aufgabe, einen Beitrag zu leisten, wenn ich in einer Besprechung bin. Im Laufe der Jahre stellte ich fest, dass mir das umso leichter fiel, je häufiger ich mich zu Wort meldete. Ich nahm mir andere Ziele vor, zum Beispiel nicht zu warten, bis jemand anderes seine Meinung sagte, sondern zu sprechen, wenn ich etwas beizutragen hatte. Heutzutage mache ich mir manchmal Sorgen, ob ich zu weit in die andere Richtung gehe und dafür sorgen muss, anderen Leuten im Team die Chance zu geben, etwas beizutragen, zu lernen und zu glänzen!

Meiner Meinung nach gibt es keine Universallösung für das Impostor-Syndrom gibt. Für mich waren Zeit und Erfahrung die Gegenmittel. Ich sollte das Folgende wahrscheinlich nicht sagen. Vor allem möchte ich nicht das Bild bestätigen, man solle alle paar Jahre den Job wechseln, um in Hinblick auf diese Situation weiterzukommen. Meine Erfahrung ist genau das Gegenteil. TEAM LEWIS ist erst mein vierter Arbeitgeber in einer über zwanzigjährigen Karriere. Aber jedes Mal, wenn ich das Unternehmen gewechselt habe, hat mir das geholfen, mir selbst zu beweisen, dass ich gut in meinem Job bin. Während meiner gesamten Laufbahn hatte ich das Glück, mit einigen großartigen Kollegen zusammenzuarbeiten, die mich angeleitet, unterstützt, bestärkt und in meine Fähigkeiten vertraut haben. Sie haben mir die Möglichkeit gegeben, mich zu entwickeln und an meinen Aufgaben zu wachsen. Natürlich gab es auch Zeiten, in denen ich gescheitert bin. Aus ihnen habe ich aber gelernt. Ich habe gelernt, was ich gerne tue und was nicht, was ich gut kann und wo meine Schwächen liegen. Es gibt immer noch Sitzungen, in denen ich mich nicht wohlfühle oder die ich aus dem einen oder anderen Grund als stressig empfinde. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich mich das letzte Mal wie ein Hochstapler gefühlt habe.

 

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