von

LEWIS

Veröffentlicht am

February 18, 2019

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Social Media

Facebook und Instagram als Lebensmittelpunkt: Für viele Menschen gelebte Realität. Bedenkenlos werden Fotos von der Verlobung, dem Wohnungsumzug, Partynächten und dem Urlaub gepostet. Ob Details vom gestrigen Abendessen für den größeren Freundes- und Bekanntenkreis interessant sind, ist dabei zweitrangig. Im Grunde handelt es sich bei diesen Fotos um die Aushängeschilder einer persönlichen Erfolgsstory. Menschen tendieren dazu, mit ihren Fotos und Videos Geschichten zu erzählen und ihren persönlichen Lebensentwurf in den buntesten Farben zu präsentieren.


Dieses Verhalten weckt das Interesse von Familie und Freunden – in dieser Hinsicht hat es durchaus Gemeinsamkeiten mit dem PR-Storytelling. Menschen erheben sich zum Helden ihres eigenen Lebens und twittern schon am Flughafen vor dem Abheben der Maschine den Startschuss für ihren Urlaub. Aufnahmen im Hochseilgarten über der Alligatorenfarm in Florida wirken mutig, sportlich, cool und nervenzerreißend zugleich. Wenn nach diesen Bildern die Emotionen der Beobachter noch nicht in Wallung geraten, taucht auf dem nächsten Foto garantiert der Verlobungsring vor der Linse auf. Durchtrainiert surft das Paar zum Abschluss des Tages in den Sonnenuntergang. Dieser USA-Urlaub unseres Musterpärchens wird an Viralität nicht zu überbieten sein. Die Fotos und Videos sind auf Facebook, Instagram und Twitter zu sehen, Freunde und Familie teilen das freudige Ereignis zudem fleißig. Handelt es sich bei unseren Protagonisten um ein Promipärchen, ist etwa zwei Minuten später die ganze Welt informiert.

Wir leben im Zeitalter der Reizüberflutung

Medienkonsumenten sind anspruchsvoll geworden, sie lassen sich durch virale Kanäle und Inszenierungen nicht weiterhin mit langatmigen Dramaturgien und Metaphern von Werbern, der PR und der Unternehmenskommunikation abspeisen. Mediennutzer haben in unserer Gesellschaft als Laien selbst die Möglichkeit, eine große Viralität zu generieren und in Grundzügen Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit in die Hand zu nehmen.

Von den Experten ist daher ein wirklich prägnantes, emotionsgeladenes Storytelling mit gutem Plot gefragt. Der Konsument nimmt schnell wahr, wenn ihm eine märchenhafte Geschichte aufgetischt wird.

Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die Generation Y einen Großteil der Mediennutzer darstellt. Sie wird regelmäßig von einer unterschwelligen Unzufriedenheit heimgesucht. Von ihren Eltern, den Baby-Boomern, wurde die Gen Y zu Prinzen und Prinzessinnen erzogen, die in Ihrem Leben alles erreichen können und sollen. Die sozialen Netzwerke zeigen aber auch die Schattenseiten dieser Erwartungshaltung und Selbstinszenierung.

Denn es scheint, als ob die Wiesen der Facebook-Freunde allesamt saftiger sind und definitiv bunter blühen als die eigene. Die geposteten Fotos zeigen lachende Gesichter, die anderen strahlen charismatischer ohne Winterspeck in die Kamera und haben mit ihrem Partner ein perfektes Urlaubsidyll. Viele fühlen sich bei diesem Anblick von Facebook & Co eher wie Bridget Jones, das tollpatschige Single-Mädchen jenseits ihrer besten Tage.

Was in dem Zusammenhang aber nicht bedacht wird: Auch der sonnigste Karibikurlaub hat vielleicht mit einer unfreiwilligen Nacht am Flughafen begonnen, weil der Anschlussflug wegen schlechtem Wetter nicht starten konnte. Möglicherweise endete er sogar nach 24/7 mit dem Ehepartner wegen persönlicher Differenzen vor dem Scheidungsrichter. Wer dieses Jahr keinen Traumurlaub verbringen konnte, wird eher überhaupt nichts von sich hören lassen als zu posten: „Aus Budgetgründen fällt der Sommerurlaub heuer aus, Pech gehabt.“

Experten der PR-Branche müssen erkennen, dass ein gutes Storytelling eine Gratwanderung zwischen dem kreativen Wecken von Begehrlichkeiten und der Berücksichtigung von Kundenbedürfnissen darstellt. Medienkonsumenten haben schnell genug von purer Quantität, Perfektionismus und Hochglanz. Sie müssen daher durch Prägnanz, Witz und Authentizität angesprochen und begeistert werden. Das Stichwort lautet hier „Contentstrategie“. Soziale Netzwerke, eine weltweit digitale Vernetzung und die zur Verfügung stehenden Medien öffnen starken Inhalten Tür und Tor. Nutzer lassen sich nicht verschaukeln oder sich etwas unterjubeln.

Kommunikation funktioniert am Besten, wenn sie authentisch ist und zum Unternehmen, der Marke und dem Menschen der es verwendet auch passt. Sie sollte am Besten so multimedial sein wie ihre Nutzer. Und diese konsumieren neben Texten ebenso häufig Bilder, Videos, Töne und Grafiken. Die klassische PR ist bald ein Auslaufmodell, neue Generationen krempeln die Öffentlichkeitsarbeit komplett um. Und das durch ihr Nutzungsverhalten und ihre Bedürfnisse, nicht nur durch Bikinifotos und Kochrezepte.

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