Das Schreckgespenst der Energiewende trägt einen Namen: „Dunkelflaute“. Solar- und Windenergie sehen sich seit jeher einer nicht unwesentlichen Kritik ausgesetzt: Woher beziehen wir eigentlich unseren Strom in einer windstillen Nacht?
Eine Frage, die auf eine größere Problematik deutet. Denn anders als bei Energiequellen, die auf fossilen Brennstoffen basieren und Treibhausgasemissionen verursachen, ist die erzeugte Leistung von Solarmodulen und Windturbinen generell volatil. Sie variiert je nach Sonneneinstrahlung und Windstärke, allgemeiner gesprochen je nach Standort und sogar Jahreszeit. Umgekehrt ist in Zeiten einer Hellbrise – ja, dieses Wort existiert tatsächlich – die Erzeugungsleistung der Erneuerbaren Energien so groß, dass die immensen Mengen an Strom drohen, das Netz zu überlasten.
Die Idee, all die überschüssige Energie zu speichern und sie bei Bedarf wieder ins Netz einzuspeisen, liegt auf der Hand. Doch dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Das Stromnetz selbst kann keine Energie speichern. Wohin also mit ihr?
Auftritt Batteriespeichersysteme oder Battery Energy Storage Systems – kurz BESS.
Das ist eine vielversprechende Technologie. Aber wie steht es um Batteriespeicher aktuell und welche Bedeutung haben sie für den Standort Deutschland?
Ein frischer Wind in der Umsetzung der Energiewende
Die Batteriespeicher-Technologie ist ihren Kinderschuhen entwachsen. Elektrisch betriebene Fahrzeuge mit Speicherakkus sind Alltag geworden. Wer sich also Solarmodule für das eigene Hausdach anschafft, hat in der Regel auch eine Wallbox für das Auto in der Garage und einen Batteriespeicher im Keller. Letztere machten 2023 nach einer Analyse von EY noch 85 Prozent der Speicherkapazität aller Installationen in Deutschland aus – doch die Nachfrage nach solchen Systemen geht zurück. Das eigentliche Wachstumspotenzial liegt bei Systemen für die gewerbliche Nutzung und ganz besonders bei großen Batteriespeichern – also in der Klassifizierung der Bundesnetzagentur solchen mit einer Bruttoleistung von mehr als 999 kW.
Die Bundesnetzagentur verzeichnete Stand Oktober 2025 eine nutzbare Gesamtkapazität dieser Systeme von 3,2 GWh. Weitere Kapazitäten in Höhe von 10,4 GWh sind in aktiver Planung. Überall im Land sprießen Batteriespeicher-Projekte jeder Größenordnung aus dem Boden.
Kein Zweifel: Der Batteriespeicher-Markt boomt. Doch weshalb eigentlich?
Batteriespeicher: Mehr als ein laues Lüftchen
BESS dienen nicht nur als bloßes Speichermedium für überschüssig erzeugten Strom, der sich bei hoher Nachfrage gewissermaßen abzapfen lässt. Sie sind auch unschätzbar für die grundlegende Versorgungssicherheit – als Notstromaggregate ebenso wie als Frequenz- und damit Netzbildner, sollte es zu Stromausfällen kommen. Die Nutzungsmöglichkeiten sind so vielfältig wie machtvoll.
Der Bundesverband Solarwirtschaft hat bis 2030 eine Gesamtkapazität von 100 GWh an installierten Batteriespeichern als Ziel gesetzt. Das entspräche dem Vierfachen des Jahresendwertes von 2025 – ein ambitioniertes, aber nicht unmögliches Vorhaben. Gelingt es, wäre genug Speicherkapazität vorhanden, um Hellbrisen voll auszunutzen und die Energieversorgung in Deutschland rund um die Uhr sicherzustellen. Mit anderen Worten: Setzt sich bis 2030 der Solar- und Windzubau wie bisher fort, rückt das Endziel der Energiewende in greifbare Nähe.
Zur Akzeptanz von Batteriespeichern mehr Licht ins Dunkel bringen
BESS bieten auch kommunikativ eine Lösung. Ihre Bedeutung für das Stromsystem und die Energiewende macht sie zum idealen Argument gegen Skepsis und Kritik. Wer für nachhaltige oder „grüne“ Technologien spricht, gerät schnell unter Rechtfertigungsdruck. Vorwürfe der Weltfremdheit oder des blinden Idealismus verleiten zur kommunikativen Verteidigungshaltung. Die Erzählung verschiebt sich von Innovation hin zu Infrastruktur, vom Neuen hin zu dem, was das System stabil und sicher hält. Es ist nicht nur an der Zeit, in die Offensive zu gehen, sondern dringend geboten. Und zwar wie folgt:
- Wirtschaftlichkeit betonen: Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind wichtige und richtige Ziele, reichen aber als Argumente in der Kommunikation nicht mehr aus. Was zusätzlich zählt, sind harte Zahlen, Daten und Statistiken, die belegen, dass Erneuerbare Energien auch die wirtschaftlichere Alternative zu Fossilen darstellen. Nachweisfähigkeit ist Pflicht – und Mittel zum kommunikativen Erfolg.
- Anschlussfähigkeit herausstellen: Batteriespeicher, Module und Turbinen sind keine einzeln für sich stehenden Bestandteile, sondern sich ergänzende Bausteine eines Ökosystems. Sie greifen ineinander, erzeugen Synergien und erlauben es, weitere Technologien einzubinden.
- Vertrauen und Gewissheit schaffen: Die breite Öffentlichkeit identifiziert sich am ehesten mit der Sicherheit, dass saubere Energie immer dann für sie verfügbar ist, wenn sie gebraucht wird. Thought Leadership und der Blick auf das große Ganze sind geboten, um bei Endverbraucher:innen wie gesellschaftlich-wirtschaftlichen Stakeholdern gleichermaßen zu punkten: Erneuerbare Technologien gewährleisten Versorgungssicherheit und ermöglichen Transformation und energetische Autarkie.
Die Erneuerbaren Energien verdienen eine Geschichte, die genauso überzeugend ist wie ihre Technologie – eine Geschichte, die Klimaziele mit alltäglicher Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit verbindet. Für Kommunikationsprofis bietet sich also die Chance, technischen Fortschritt in eine Erzählung von Vertrauen, Kontinuität und Wandel zu übertragen – und der Mär von der „Dunkelflaute“ endgültig den Garaus zu machen.
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