Verfasserin des Blogbeitrages

von

Nilüfer Nasir

Veröffentlicht am

October 19, 2018

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Auch in diesem Jahr hat Edeka mit seinem Weihnachtsvideo einen medialen Coup gelandet: Bereits über 42 Millionen Mal wurde der berührende Spot angeklickt, in etlichen Social Media Kanälen geteilt und in allen wichtigen Zeitungen aufgegriffen. Ähnliches erreichte Coca Cola im letzten Jahr mit seiner „trink ’ne Coke mit“-Kampagne, bei der sich Fans online ihre Cola-Flaschen mit einem von ihnen ausgewählten Namen personalisieren und bestellen konnten.


Das sind sehr beeindruckende Beispiele von richtig guten und erfolgreichen Kampagnen. Für viele Marketing-Verantwortliche haben sie aber auch etwas Einschüchterndes. Denn nicht jedes Unternehmen ist so cool und beliebt wie Coca Cola. Und nicht jede Firma hat das Werbebudget, mit dem Edeka jedes Jahr aufs neue seine Zielgruppe anspricht.

Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Business sei „zu langweilig“, um tolle Kampagnen zu entwickeln, sage ich Ihnen, dass es das gar nicht gibt, ein „zu langweiliges“ Business. Auch wenn es Produkte und Services gibt, die auf den ersten Blick spannender erscheinen und ganzen Massen gefallen, kann jedes Unternehmen seine Zielgruppen auf eine bedeutsame und ansprechende Art und Weise erreichen.

Wir geben Ihnen fünf Tipps, um vermeintlich langweilige Businesses in einem neuen Licht zu präsentieren.

Ist Ihr Unternehmen wirklich langweilig?

Überlegen Sie sich, warum Sie fünf Tage die Woche in Ihrem Unternehmen arbeiten und einen Großteil Ihrer Zeit dieser Arbeit widmen. Irgendetwas muss es geben, das Sie fasziniert und weshalb Sie nicht das Bedürfnis haben, in eine andere Branche zu wechseln. Dieses „Irgendetwas“ gilt es zu erfassen und genau zu beschreiben.

Oft komme ich aus Gesprächen mit Unternehmen und denke mir: Die wissen ja gar nicht, wie gut die sind! Betriebsblindheit: Wirklich besondere Eigenschaften oder verrückte Fakten werden beschrieben, als wären sie das Selbstverständlichste auf der Welt. Weil es für die Mitarbeiter in Unternehmen nämlich so ist. Sie sehen und arbeiten jeden Tag mit ihren Produkten, sodass sie die Besonderheit, die andere darin sehen, gar nicht mehr wahrnehmen.

Nehmen wir an, Sie arbeiten für einen Sockenhersteller. Zugegeben, das klingt erst einmal nicht spannend. Aber was wäre, wenn Sie beschreiben würden, dass die Baumwollsorten von Hand geerntet werden und aus familiengeführten und fair betriebenen Plantagen stammen sowie frei von jeglichen Pestiziden sind? Diese Geschichte rückt die Socken gleich in ein ganz anderes Licht und macht sie zu einem Familienprodukt, das aus einem umweltfreundlichen Unternehmen stammt.

Ein anderer Ansatz ist es, auf das Bedürfnis hinzuweisen, dass das Produkt erfüllt. Nehmen wir das Beispiel Wasser. Wasser ist für uns in Europa selbstverständlich, wir duschen, waschen Wäsche, kochen Wasser auf. Wer sich darum kümmert, dass unser Wasser jederzeit verfügbar ist, ist uns ziemlich egal. Was wäre aber, wenn das Wasserversorgungsunternehmen unserer Stadt eine Kampagne ins Leben ruft, in der gezeigt wird, wie unser Alltag ohne die zuverlässige Wasserversorgung aussieht. Fettige Haare, dreckige Wäsche und ungenießbarer Tee. Schon wird das Unternehmen interessant, weil wir seinen Wert erkennen. Ein gutes Beispiel hierfür gibt es auch im dem Film The Wolf of Wallstreet, in dem Leonardo DiCaprio, seinen Mitarbeiter auffordert, ihm einen stinknormalen Kugelschreiber zu verkaufen. Schauen Sie selbst was passiert…

Positionieren Sie sich und zeigen Sie Persönlichkeit

Wofür steht Ihr Unternehmen? Was macht es so besonders? Nichts ist langweiliger, als über ein Unternehmen zu lesen, das nicht erklären kann, wofür es steht. Es wirkt unorganisiert und nicht wirklich vertrauenserweckend. Definieren Sie deshalb vorher, was Ihr Unternehmen kann, wer seine Zielgruppe ist und welche Ziele das Unternehmen hat. Hierfür gibt es spezielle Positionierungs-Workshops, bei denen Ihnen Kommunikations-experten unter die Arme greifen.

Wenn Sie diesen wichtigen Schritt gemacht haben, schauen Sie sich im Unternehmen nach einem Kollegen um, der für die Firma brennt. Der die volle Aufmerksamkeit bekommt, sobald er einen Raum betritt. Dem alle immer gespannt zuhören. Jemand, der keine Angst davor hat, seine Meinung zu äußern, selbst wenn sie nicht immer populär ist. Dann haben Sie einen potentiellen Markenbotschafter für Ihr Unternehmen! Ihr Kollege wäre die perfekte Person, um via klassische Medien und Social Media das Sprachrohr der Firma zu werden und das Interesse der Öffentlichkeit auf das Unternehmen zu lenken.

Erzählen Sie eine gute Geschichte

Menschen interessieren sich in erster Linie immer für Menschen. Deshalb sind Erfolgsgeschichten wie die eines Steve Jobs oder Karl Lagerfeld längerfristig immer interessanter, als wenn beispielweise Apple im Jahr XY Rekordgewinne verbucht hat oder als wenn ein Modehaus nächstes Jahr 150-jähriges Unternehmensjubiläum feiert. Schauen Sie deshalb, ob es in Ihrem Unternehmen jemanden gibt, der eine ganz besondere Erfolgsgeschichte zu erzählen hat. Es muss nicht immer der Gründer sein. Vielleicht ist es die Geschichte des Ingenieurs, der Ihr Produkt designt hat? Vielleicht ist es aber ein Kunde, dessen Leben sich mithilfe Ihres Produktes schlagartig zum Positiven verändert hat? Oder aber der Kollege aus der IT-Abteilung, der sich in seiner Freizeit für wohltätige Zwecke engagiert und dabei Großes erreicht.

Wenn Sie nach den Erfolgsgeschichten Ausschau halten, denken Sie an die Herausforderungen, die die Person meistern musste. Was macht ihre Geschichte interessanter und inspirierender als die von anderen? Selbst wenn die Geschichte nicht unmittelbar mit Ihrem Produkt zu tun hat, bringt Sie den persönlichen Aspekt Ihres Unternehmens an Ihre (potenzielle) Kunden näher heran.

Bauen Sie eine Community auf

Nutzen Sie das Potenzial von Social Media und bauen Ihre eigene Community auf. Egal, wie „langweilig“ Ihr Produkt scheinen mag: Solange es eine Zielgruppe gibt, gilt es dieser –  neben Ihrem Produkt – einen Mehrwert zu bieten. Eine Plattform, auf der nicht nur Informationen zum Produkt aufgerufen werden können, sondern auf der User untereinander Tipps austauschen, von ihren Erfahrungen berichten oder User-Fragen von Experten beantwortet werden. Welche Plattform sich am besten für Ihre Zielgruppe eignet, kann ganz leicht mit einem Social Media Audit, das Kommunikationsagenturen anbieten, festgestellt werden. Ergibt die Recherche aber, dass bereits eine solche Plattform existiert, auf der sich Ihre Zielgruppe austauscht? Super, dann nutzen Sie die bereits bestehende Plattform und werden Sie Teil der Konversation!

Überzeugen Sie mit einer Portion Humor. Und überraschen Sie!

Nichts ist so langweilig wie ein Baumarkt. Würde man meinen. Man besorgt sich Dübel, Schrauben, Tapete und was man sonst noch so braucht für Umgestaltungen in den eigenen vier Wänden. Eine emotionale Bindung zu den kühlen langen Fluren der Baumärkte: gleich null. Freudige Diskussionen, welcher Baumarkt der beste ist: Haben wahrscheinlich noch nie stattgefunden. Kann man da in Sachen Kommunikation überhaupt noch etwas machen? Klar! Fragen Sie Hornbach! Seit Jahren schafft es Hornbach, mit seinen verrückten, witzigen und gut erzählten Videos, in denen sich das Unternehmen selbst nicht zu ernst nimmt, sich in unser Gedächtnis einzubrennen. Und plötzlich ist Hornbach hip. Denn der Baumarktriese hat es verstanden: Wenn dein Business weder außergewöhnlich noch sonderlich interessant ist, ist es deine Aufgabe, anders zu sein und aufzufallen.

Humor ist hier ein wichtiger Faktor, um die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen und einen emotionalen Bezug zum Unternehmen aufzubauen.

Halten Sie deshalb Ausschau nach Kollegen, die für ihren Humor bekannt sind und involvieren sie diese in die Kommunikation. Sie können Ihnen tollen Input für die Zusammenarbeit mit Ihrer Kommunikationsagentur geben oder selbst mit Tweets, Facebook Posts oder Blogposts brillieren.

Glauben Sie immer noch, dass Ihr Business zu langweilig für spannende Kampagnen ist?

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