von

LEWIS

Veröffentlicht am

October 18, 2018

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„Snapchat? Das ist doch diese App, über die sich Jugendliche gegenseitig ihre Partyfotos schicken...“


So etwas höre ich immer wieder, wenn ich begeistert von der Foto-Messenger-App erzähle. Hier zeigt sich: Viele PR- und Marketing-Fachleute in Deutschland nehmen die Ephemeral-App Snapchat noch nicht als vollwertigen Social-Media-Kanal wahr, den es sich aus PR-Sicht auch zu bespielen lohnt. Zu Unrecht, denn in den USA nämlich mausert sich Snapchat bereits zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten für Facebook. Die Kosten für gesponserte Lenses – das sind bewegte, gebrandete Videofilter – liegen bei Snapchat mittlerweile bei bis zu 750.000 Dollar pro Tag.  (Das Drei-Milliarden-Übernahmeangebot von Facebook haben die Snapchat-Gründer übrigens abgelehnt.)

 

Was ist Snapchat?

„Snapchat“ ist eine Wortschöpfung aus „Snapshot“ und „Chat“. Es handelt sich um eine Messaging-App, mit der die Nutzer Bilder und Videos (sogenannte Snaps) versenden können, die nur für kurze Zeit für den Empfänger sichtbar sind. Anschließend löscht sich der Snap von selbst. Der Clou: Sollte ein Nutzer einen Screenshot von einem Snap machen, bekommt der Sender das angezeigt.

Zudem reiht die Funktion „Stories“ mehrere Snaps, die der Nutzer aufgenommen hat, aneinander, die für alle Follower sichtbar sind. Die Snaps in der Story verschwinden nach 24 Stunden wieder. Das Besondere an Snapchat: Es gibt keine Profile, auf denen man sich ausgiebig umsehen kann, bevor man jemandem folgt. Daher heißt die Devise: Auf gut Glück Nutzer hinzufügen, Stories ansehen und bei Nichtgefallen wieder löschen. Auch umgekehrt setzt Snapchat auf Spontaneität, Ausprobieren und Unperfektheit: Als Blick hinter die Kulissen und Spielwiese eignet sich kein anderer Kanal besser.

 

Warum taugt Snapchat für PR und Marketing?

  • Da Snapchat-User keine klassischen Profile haben, müssen Nutzer den Marken, von denen sie mehr wissen wollen, aktiv folgen, wenn sie Interesse an den Updates haben – sie also in ihre Kontaktliste aufnehmen. Das geht nur, wenn sie den Nutzernamen des Unternehmens auch kennen, beispielsweise von anderen Social-Media-Profilen. Sobald der Nutzer das Unternehmen hinzugefügt hat, tauchen die Snaps der Markenprofile in den abonnierten Geschichten der Nutzer auf.

 

  • Wie beim Livestream-Twitter-Ableger Periscope verfällt sämtlicher Content bei Snapchat nach 24 Stunden. Entsprechend schnell müssen Nutzer reagieren, um Informationen und Benefits von Marken zu erhalten. Wenn Unternehmen dafür sorgen, dass sich ein regelmäßiges Ansehen der Stories für die Nutzer lohnt, profitiert davon auch die Marke: Key-Messages können optimal zwischen Rabattcodes und für den Nutzer spannenden Aktionen platziert werden. Nutzer sehen diese regelmäßig an, um keine Aktion zu verpassen. Asos beispielsweise bietet oft zwischen Blicken hinter die Kulissen und Klamottentipps exklusive Rabattcodes auf Snapchat an.
  • Snapchat bietet die Möglichkeit, Snaps mit handgemalten Kritzeleien, Emojis oder Text zu verzieren. Das lässt die Inhalte authentisch und persönlich erscheinen.  Hochglanz-Freisteller sind indes auf Snapchat falsch aufgehoben. Wenn Unternehmen damit kreative Geschichten erzählen, können sie Nutzer langfristig dazu ermuntern, die Marke nicht wieder aus der persönlichen Liste zu löschen. Taco Bell beispielsweise zeigt jede Woche die Wochenmenüs über Snapchat – aber keine Hochglanzbilder, sondern echte, authentische Einblicke.

 

Und wie lässt sich Snapchat konkret einsetzen?

Momentan gibt es noch keine Suchfunktion nach Kategorien oder Interessen auf Snapchat. Wie also Nutzer überhaupt auf Snapchat locken? Idealerweise nutzt die Marke bereits Twitter, Facebook, Instagram und Co. und bewirbt dort exklusive Angebote, die es nur über Snapchat gibt.

 

Das können beispielsweise sein:

  • Gutscheine oder Rabattcodes, die exklusiv auf Snapchat verfügbar sind. Sie sind ein optimaler Anreiz für Nutzer, einer Marke zu folgen. Denn User können nicht einfach auf ein Profil klicken und einen Gewinnspielcode abgreifen, wie es bei Facebook oder Twitter ginge. Dafür müssen sie der Marke folgen und deren komplette Story ansehen.
  • Exklusive Previews und Einblicke hinter die Kulissen sind über Snapchat auch optimal umzusetzen. So ist es beispielsweise denkbar, die Follower mit in die Entwicklungsabteilung im Unternehmen zu nehmen oder ihnen Previews einer Shop-Eröffnung zu zeigen, die es sonst nirgends zu sehen gibt.
  • Wettbewerbe über Snapchat helfen dabei, User dazu zu animieren, mit der Marke zu interagieren. So ist es möglich, Nutzer dazu aufzurufen, zu einem bestimmten Thema Videos oder Bilder zu senden oder in ihrer Story zu posten.

 

Es bleibt spannend: Snapchat entwickelt aktuell nämlich eine Ad-Software, die das Erstellen und Implementieren von gesponserten Inhalten vereinfacht. Damit kommen sie dem Wunsch vieler Unternehmen entgegen. Diese hoffen auf Möglichkeiten, ihre Ads weiter zu personalisieren. Zudem könnte ein besseres Targeting dabei helfen, genau die User zu erreichen, die sich für die angebotenen Inhalte interessieren. Auch wären ausgereifte Analytics-Möglichkeiten ein Feature, mit dem Snapchat vor dem geplanten Börsengang sicher bei vielen Unternehmen punkten könnte. Mein Tipp: Probieren Sie es aus! Snapchat ist eine herrlich spannende Spielwiese und wird 2016 definitiv an Bedeutung gewinnen.

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