von

Lisa Brandes

Veröffentlicht am

November 18, 2019

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Influencer Marketing

Besonders junge Unternehmen bevorzugen Influencer Marketing gegenüber klassischer Werbung, um ihre Zielgruppe zu erreichen.


Eine Umfrage unter Unternehmen in Deutschland aus dem Jahr 2018 von Statista zeigt, dass 59 Prozent der Befragten Influencer Marketing in ihrem Unternehmen einsetzen und 24 Prozent darüber nachdenken. Aber worauf sollten Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit Influencern achten und wie stehen diese zu sogenannten Barter Deals? Verena Ahmann ist seit mehreren Jahren erfolgreich auf Social Media unterwegs und berichtet auf ihrem Instagram Account mit knapp 130.000 Followern täglich über die neuesten Fashion- und Beauty-Trends. In unserem Interview mit ihr erfahren Sie spannende Insights aus der Welt der Influencer und wie Ihr Unternehmen davon profitieren kann.

 

Seit wann bist Du auf Social Media aktiv und wie bist Du dazu gekommen?

Ich bin eigentlich gelernte Hair-und Make-up Artist. Darüber hinaus interessiere ich mich für Fashion. Für mich gehören ein gutes Make-up sowie schön gestylte Haare zu einem gelungenen Outfit einfach dazu. Deswegen lag es für mich nahe, diese Themenbereiche miteinander zu kombinieren und habe angefangen, meine Inspirationen zu teilen. Richtig aktiv habe ich damit ab 2015 auf Instagram angefangen. Zwei Jahre später kam dann noch mein Blog dazu.

 

Haben sich die Social Media Plattformen gewandelt, auf denen Du unterwegs bist und welcher Kanal, denkst Du, ist am wichtigsten?

Ich war zunächst nur auf Instagram aktiv, habe dann aber gemerkt, dass meine Follower sich insbesondere auch für Details zu meinen Shootings und Outfits interessieren. Deswegen habe ich meinen Blog gestartet, um dort über diese Themen noch ausführlicher berichten zu können. Kurze Zeit später kam Snapchat dazu und bot eine tolle Möglichkeit, seine Community live an aktuellen Ereignissen teilhaben zu lassen. Aber ich fand es immer schwierig, zwischen mehreren Plattformen zu wechseln. Deswegen finde ich die Möglichkeit super, bei Instagram Stories zu erstellen und Highlights zu speichern. Endlich gibt es eine Plattform, die alles erfüllen kann, und die Follower sind so noch näher dran. Mein Hauptkanal ist deswegen nach wie vor Instagram und ich denke, dass diese Plattform für Deutschland auch am relevantesten ist. Meinen Blog nutze ich nur als Verlängerung, um zum Beispiel Erfahrungsberichte zu bestimmten Themen wie Reisen zu veröffentlichen. Viele nutzen darüber hinaus auch noch YouTube, aber ich denke, das ist eine Typ-Sache.

 

 

Was denkst Du über den Begriff Influencer?

Natürlich sind wir in gewisser Weise Influencer, weil wir die neusten Trends beobachten und viele Sachen teilen, aber der Begriff ist insbesondere durch die Medien immer wieder ins Negative geraten. Deswegen finde ich den Begriff Content Creator mittlerweile viel passender und auch erwachsener. Ich bekomme viele Anfragen von Unternehmen, denen meine Bildsprache gefällt und die diese gerne für ihren eigenen Kanal nutzen möchten. Ich überlege mir in diesem Fall also, wie sich das Produkt am besten in Szene setzen lässt, produziere den Content und die Unternehmen nutzen diesen anschließend für ihre eigene Kommunikation.

 

Wie bleibt man als Influencer authentisch?

Man muss sich selbst treu bleiben. Dabei ist es wichtig, zu reflektieren, ob das Produkt, das beworben werden soll, wirklich zu einem passt und auch dem eigenen Alter entspricht. Ich lehne Anfragen, die nicht zu mir passen oder wo ich nicht hinter dem Produkt stehe, grundsätzlich ab. Ein weiterer Grund, eine Kooperation abzusagen, wäre für mich, wenn das Produkt einen extremen Boom erlebt und auf gefühlt jedem Kanal zu sehen ist. Hier fehlt mir die Exklusivität und ich denke, wenn jeder den gleichen Content spielt, sind auch die Follower eher genervt und weniger kaufbegeistert. Hier sollten Unternehmen einen guten Mittelweg finden. Wir merken direkt bei den Anfragen, ob die Firma sich Gedanken gemacht hat oder es nur darum geht, „irgendetwas“ zu machen.

 

Wie sehen die optimalen Bedingungen für eine Kooperation aus. Was sind Dos & Don‘ts?

Briefings sind super und geben uns wichtige Informationen. Dazu zählt zum Beispiel, wie viele Postings vereinbart wurden und welche Verlinkungen oder Hashtags gewünscht sind. Aber zu detaillierte Forderungen, was zum Beispiel die Umgebung, den Hintergrund oder die Handhabung angeht, gestalten eine Zusammenarbeit schwierig. Besonders in meiner Branche denken viele Unternehmen, dass sie mit einem Influencer einen Fotografen und ein Model in einem gebucht haben, aus dem sie eine Werbekampagne machen können. Aber eigentlich geht es bei unserem Job viel mehr darum, dass ihnen unsere Persönlichkeit und die Bildsprache unseres Feeds gefällt. Unsere Aufgabe ist es, ein Produkt so zu präsentieren, wie wir es lieben. Deswegen vereinbare ich auch besonders gerne langfristige Kooperationen. Hier habe ich nicht nur die Möglichkeit, ein Produkt über einen längeren Zeitraum ausgiebig zu testen und darüber zu berichten. Zusätzlich wird auch meine Community in diesem Fall viel stärker eingebunden. Darüber hinaus spielt auch Vertrauen eine große Rolle. So bin ich beispielsweise bei langjährigen Kooperationspartnern noch freier in der Umsetzung und kann kreativ werden, ohne mir direkt Gedanken um die Performance machen zu müssen. Denn wer regelmäßig mit einem Influencer zusammenarbeitet, weiß die Arbeit zu schätzen und lässt sich auch von etwaigen Einbußen wie weniger Likes zu einem einzelnen Post, die zum Beispiel der Instagram Algorithmus verursacht, nicht irritieren. Generell denke ich aber, dass jeder, der alles bis ins kleinste Detail planen möchte und nicht verhandelbare Vorstellungen hat, besser in klassische Werbung investiert. Influencer sind keine Leinwand zum Werben, sondern Individuen mit einer persönlichen Meinung.

 

Wie stehst Du zu sogenannten Barter Deals?

Jeder hat einmal angefangen und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mich gefreut habe, wenn ich etwas geschenkt bekommen habe. Das klingt am Anfang erstmal alles toll, aber man hat natürlich auch eine Miete sowie weitere Dinge im Leben zu bezahlen. Diese Kosten lassen sich aber nicht mit einem Gutschein bewältigen. Ich denke, wenn man gerade am Anfang steht oder es sich um eine Nebenbeschäftigung handelt, sind Barter Deals für beide Seiten eine super Sache und toll zum Austesten. Aber letztendlich handelt es sich um eine Dienstleistung, die wir erbringen, und besonders, wenn Professionalität gefragt ist oder der Kunde bestimmte Ansprüche hat, sollte ein Budget selbstverständlich sein – egal in welcher Branche. Man erbringt eine Leistung und Leistungen sollten auch immer vergütet werden. Niemand möchte jeden Morgen aufstehen und arbeiten, um am Ende des Tages nur einen Gutschein zu bekommen.

 

Wie viel Arbeit steckt in einem Posting?

Das ist ganz unterschiedlich und lässt sich so pauschal nicht sagen. Es kommt immer auf das Produkt an, aber Beauty- und Schmuckshootings sind besonders anspruchsvoll, denn hier müssen der Schmuck leuchten und die Haut perfekt aussehen. Bis man das perfekte Licht getroffen hat, kann es dauern. Aber ein Foto allein reicht natürlich nicht. Wir müssen uns natürlich auch eine Geschichte dazu überlegen, wie wir das Produkt inszenieren. Hinzu kommen die Nachbearbeitung und natürlich der passende Text zum Bild. Somit stecken in einem einzigen Bild viele Arbeitsschritte, die auf den ersten Blick vielleicht nicht offensichtlich erscheinen. Das ist auch der Grund, warum viele Influencer mittlerweile nicht mehr alleine arbeiten, sondern sich zum Beispiel Unterstützung in Form von Fotografen holen – ein weiterer Grund, warum Budgets für uns um so wichtiger sind.

 

Wie lange dauert es, eine Kooperation umzusetzen?

Das ist ebenfalls immer sehr individuell und hängt auch vom jeweiligen Unternehmen ab. Dabei spielt natürlich auch eine große Rolle, wie gut und schnell die Abstimmung funktioniert. Je nachdem, wie lange das Unternehmen für die Kommunikation oder interne Prozesse benötigt, können sich die Freigaben verschieben. In der Regel sind wir, was die Umsetzung angeht, aber relativ flexibel und können je nach Anfrage innerhalb von zwei bis vier Wochen etwas veröffentlichen. Ich arbeite hierfür besonders gerne mit Agenturen zusammen, die ich bereits kenne. Hier kenne ich nicht nur die Ansprechpartner und beide Seiten wissen, wie der andere tickt, sondern ich lerne auf diesem Weg auch immer wieder neue Produkte und Unternehmen kennen.

 

Was unterscheidet Influencer Marketing von klassischer Werbung und ist es für jedes Unternehmen geeignet?

Generell denke ich, dass Influencer Marketing wesentlich authentischer ist und man auf diese Weise verschiedene Zielgruppen noch besser erreichen kann. In gewisser Weise sind wir für unsere Community Vorbilder. Das führt dazu, dass sie insbesondere auf den von uns gewählten Themengebieten unsere Erfahrung schätzen. Unsere Empfehlungen sind in diesem Fall für ein Unternehmen besonders wertvoll, da wir wie ein Freund agieren und der klassischen Werbung somit etwas voraushaben.

Aber ich kann natürlich auch verstehen, dass es für Unternehmen immer schwieriger wird zu entscheiden, wen sie buchen sollen. Für viele ist die Reichweite ein erster Anhaltspunkt, ob ein Influencer für die eigenen Kampagne in Frage kommt. Aber mithilfe von Fake-Followern lässt sich schnell eine große Reichweite erzielen, sodass die Zahl ohne weitere Analyse nichts aussagt. Darüber hinaus sollte sich das Unternehmen bewusst sein, was es mit der Zusammenarbeit erreichen möchte. Hier spielt zum einen die Community eine besonders große Rolle und welche Interessen sie hat. Zum anderen ist aber auch der Aufbau des Accounts wichtig, denn nicht jede Kampagne passt auch zu jedem Profil. Ein gutes Beispiel hierfür sind Affiliate Kampagnen. Ein Influencer, der regelmäßig Kooperationen dieser Art macht, wird vermutlich bessere Erfolge erzielen als jemand, der selten bis nie Rabattcodes an seine Community weiterspielt. Deswegen ist die individuelle Influencer-Auswahl für jede einzelne Kampagne enorm wichtig und definiert den Erfolg.

 

Wie sieht die Zukunft im Influencer Marketing aus?

Da ich schon mehrere Jahre in der Branche bin, sehe ich das Ganze sehr realistisch. Besonders Instagram boomt, es melden sich immer mehr Leute auf der Plattform an und nutzen sie als Business. Aber der Instagram Algorithmus, der vor circa zwei Jahren eingeführt wurde, hat die Arbeit wesentlich verändert. Statt in einer chronologischen Reihenfolge werden Bilder und Videos nur noch nach Relevanz im Feed angezeigt. Diese Einschränkungen sind für uns frustrierend und nehmen ein wenig die Lust am Job. Denn wir wissen selber nicht, welches Bild gut laufen wird und welches nicht. Wir stecken unser Herzblut und viel Liebe in unsere Profile, aber der Feed ist davon abhängig, wie die Plattform Dich gerade anzeigt. Das sollten auch Unternehmen bei einmaligen Kooperationen berücksichtigen. Den wirklichen Erfolg einer Zusammenarbeit kann man erst über einen längeren Zeitraum messen und nicht anhand eines einzelnen Posts.

Zudem herrscht große Unwissenheit, was das Like-System bei Instagram angeht. Bilder müssen geliket werden, damit Instagram einem die Person weiterhin im Feed angezeigt. Deswegen ist es für Unternehmen um so wichtiger, nicht nur auf die Reichweite eines Influencers zu schauen. Denn um so mehr Reichweite man hat, um so weniger Likes erhält man, weil die Postings anders angezeigt werden. Statt der Reichweite ist es auch hier wieder wichtig, auf die richtigen Influencer zu setzen und langfristige Kooperationen zu planen, damit eine erfolgreiche Kampagne entsteht. Ich persönlich wünsche mir, dass Unternehmen auch weiterhin in unsere Kreativität investieren und die Leidenschaft und das Know-how, die wir in unsere Arbeit stecken, zu schätzen wissen.

Möchten Sie Influencer in Ihre Unternehmenskommunikation einbinden, um Ihre Zielgruppe noch besser zu erreichen, wissen aber noch nicht wie? Kommen Sie gerne auf uns zu und wir unterstützen Sie bei der Entwicklung einer Strategie sowie dem kompletten Rollout einer Influencer Kampagne. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören!

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