von

LEWIS

Veröffentlicht am

October 18, 2018

Tags

LEWIS, Storytelling, Thriller

Ein Gastbeitrag von Dr. Veit Etzold, Bestseller-Autor und Storytelling-Profi:


Es ist der Abend seines Lebens: Der Deal in München im Sack, die Stadt liegt ihm zu Füßen in dieser Dachterrassenbar. Und plötzlich taucht auch noch diese Frau auf: Beuteschemavolltreffer. Intelligent, charmant, witzig. Noch einen Drink, macht er im Stillen mit sich aus, und dann nehme ich sie mit aufs Zimmer. Im Aufzug schmeckt sie ein kleines Bisschen nach Gin Tonic und nach… Er kommt nicht drauf, aber das ist jetzt auch schon egal. Sie taumeln in seine Suite, wie gut, dass er das Upgrade ergattert hat. Und dann…  …wacht er in einer Badewanne wieder auf. Er braucht einen Augenblick, um sich zu orientieren. Das Hotel, die Traumfrau… Er blickt umher – eindeutig Hotelbadezimmer. Er ist nackt. Und ihm ist kalt – sehr kalt. Er liegt bis zum Hals in gecrushtem Eis, dicht gepackt, so dass er sich kaum bewegen kann. Sein Blick fällt auf einen Zettel auf der Badewannenablage, der dort neben einem schnurlosen Telefon liegt: „Rufen Sie Hilfe!”, steht dort. Unter Kraftanstrengung bringt er seinen linken, ganz tauben Arm aus dem Eisbad hervor und wählt den Notruf. „Hallo… ich… ich brauche Hilfe!” „Ihren Namen und Aufenthaltsort, bitte!”„Ich bin in einem Hotel, in einer Badewanne voller Eis…” „Warten Sie – in einer Wanne voller Eis, sagen Sie? Können Sie sich bewegen? Sich an den Rücken fassen?” Das Eis knirscht, als er allen Willen zusammennimmt und mit der rechten Hand nach seinem Rücken tastet. Da, seine Finger stoßen an etwas Hartes. Gleichzeitig durchzuckt ihn ein stechender Schmerz und er stöhnt auf. „Da ist ein Schlauch in meiner Seite. Da ist ein Schlauch…“, stammelt er. „Ein Schlauch? Welches Hotel, welches Zimmer? Ich schicke sofort jemanden. Bewegen Sie sich nicht. Ich befürchte, Sie sind Organhändlern auf den Leim gegangen, die in der Stadt ihr Unwesen treiben – und Ihnen fehlt jetzt eine Niere!”

Auch wenn Sie kein Thriller-Liebhaber sind: Die Geschichte ist spannend, oder? Es gibt einen Held, einen bösen Gegenspieler, eine Handlung, bei der Hürden überwunden werden (wir fühlen uns dann als Leser immer gleich besser) und einen überraschenden Wendepunkt. Ab hier kann es gut oder schlecht ausgehen. Alles Zutaten für eine gelungene Story.

Warum? Weil unser Gehirn seit Jahrtausenden darauf ausgelegt ist, gute Stories zu entwickeln und sie sich zu merken. Gehen wir zurück in die Anfänge der Menschheit. Um zu überleben, musste man Essbares suchen, Säbelzahntigern ausweichen und in den Schutz der Höhle zurückfinden. Das ‘Wie’ übermittelten sich die ersten Menschen in Geschichten. Sie erzählten in Bildern und mit Herz und Hand. Solche Stories lässt unser Hirn-Türsteher durch. Denn so könnte man die Amygdala bezeichnen: Das ist der Teil des Gehirns, der den Weg zu dem bewacht, was wichtig ist. Die Amygdala hilft bei der emotionalen Bewertung und Wiedererkennung von Situationen und vermittelt, wovor wir Angst haben sollten. Unser Unterbewusstsein kann deshalb Stories, Bilder, Greifbares viel besser speichern als Zahlen, Daten und Fakten. An diesem Punkt zeigt sich, was Thriller, Säbelzahntiger und moderne Marketing-Experten verbindet: Oft ignorieren letztere besagte Regeln für Geschichten, die am Hirn-Türsteher vorbeikämen und versuchen stattdessen, mit Zahlen und Fakten zu überzeugen. Das ist möglich, kostet aber ungleich mehr Energie, um den gleichen Effekt zu erzielen. Dabei gibt es vier einfache Regeln, die sich Unternehmen von einem guten Thriller abschauen können:

  • Gleich mit dem ersten Satz überzeugen: So sichert man sich die größten Chancen, mit seinen Botschaften durchzudringen.
  • Informationen gezielt einsetzen: Genauso wichtig wie das, was ich schreibe, ist das, was ich nicht schreibe – ein dosierter Informationsfluss unterstützt den Spannungsbogen.
  • An Glaubwürdigkeit arbeiten: Wer als Übermittler von Botschaften nicht seriös wirkt, dem nimmt eben jene auch nicht ab.
  • Und: Jede Story hat einen Helden. Und jeder Held braucht einen Schurken! Nur die Existenz eines Schurken schafft Dringlichkeit.

Versuchen Sie es mal und schreiben Sie mir Ihre Erfahrungen!

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